Vortrag AQUA FOCUS NORDICS 2026

Sauberer Fisch, saubere Verpackung und ein Nachweis, der trägt

Fischqualität wird künftig über mehr entschieden als Frische und Herkunft. Mikroplastik und PFAS gelangen an mehreren Stellen in die Kette, von Umwelt und Futter über die Verarbeitung bis zur Verpackung. Der Vortrag zeigt, wo sie nachweisbar ankommen, was EmpCo und PPWR daraus machen, und warum eine papierbasierte Verpackung mit weniger als fünf Prozent Kunststoff nicht nur ökologisch, sondern wirtschaftlich die bessere Wahl ist.

Lachsscheiben auf Eis

Vier Zahlen aus dem Vortrag

74 %

der Seafood-Proben der FDA-Untersuchung 2022 enthielten mindestens ein PFAS

21 bis 40 µg/kg

Mikroplastik im essbaren Muskelgewebe norwegischer Zuchtlachse

10,3 Mio. t

Seafood-Verbrauch in der EU, 22,89 kg je Kopf

908 € je Tonne

Unterschied der EPR-Gebühr zwischen Papier und sonstigen Verbunden

Wo die Stoffe in die Kette kommen

Mikroplastik kann an mehreren Stellen eintreten: Umwelt, Wasser, Futter, Fisch, Verarbeitung, Verpackung. PFAS sind in Umwelt, Futter und Verarbeitung vorhanden. Eine unabhängige Zertifizierung setzt nicht an einer Stelle an, sondern liefert Nachweise über die gesamte Kette.

Was Untersuchungen belegen

In der gezielten Seafood-Untersuchung der US-amerikanischen FDA von 2022 wurde in 60 von 81 Proben mindestens ein PFAS gefunden, rund 74 Prozent. Das CONTAM-Gremium der EFSA hält Fisch und Meeresfrüchte für relevante Beiträge zur PFAS-Aufnahme über die Nahrung. Eine Studie zum Atlantischen Lachs von 2026 weist den Übergang von PFAS aus dem Futter ins Gewebe nach und benennt Futter als relevanten Eintragsweg. In norwegischem Zuchtlachs aus Hardangerfjord und Boknafjord wurde Mikroplastik im essbaren Muskelgewebe nachgewiesen, 21 bis 40 Mikrogramm je Kilogramm.

Was Verbraucher davon halten

Aus derselben Verbraucherstudie, die auch unserem Mikroplastik-Whitepaper zugrunde liegt: 76,6 Prozent kennen den Begriff Mikroplastik, die Besorgnis über Umweltfolgen liegt bei 4,49 von 5, die über Gesundheitsfolgen bei 4,13. Wer verlässliche Informationen bekommt, ist eher bereit, sein Verhalten zu ändern.

Wildfang und Aquakultur, derselbe Bedarf

Beim Wildfang sind die Kontrollpunkte Umweltbelastung, repräsentative Fang- oder Chargenprüfung, Produktion und Verpackung sowie die Prüfung des Endprodukts. In der Aquakultur kommen Futter und Produktionsmittel als steuerbare Größen hinzu. Verschiedene Kontrollpunkte, dasselbe Ergebnis: unabhängig geprüfter Fisch, über den sich unter EmpCo auch sprechen lässt.

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Warum ein sauberer Fisch eine saubere Verpackung verdient

Die Technik ist da: Faserbasierte Verpackungen mit wasserbasierten Dispersionsbarrieren kommen unter fünf Prozent Kunststoff, halten Feuchtigkeit und Fett zurück und lassen sich ohne PFAS in der Barriere bauen. Karton hält eine Stunde lang 90 Grad heißen Kaffee, und die Gemüsebranche zeigt seit Jahrzehnten, dass er auch Tiefkühlware schützt, bei richtiger Auslegung sogar durch das Auftauen hindurch.

Der wirtschaftliche Teil

Die EU verbraucht rund 10,3 Millionen Tonnen Seafood im Jahr, 22,89 Kilogramm je Kopf. Materialwahl wird damit zum Geschäftsfall: Im deutschen Beispiel für 2026 kostet die EPR-Gebühr für Papier, Pappe und Karton 202 Euro je Tonne, für sonstige Verbunde 1.110 Euro. Das sind 908 Euro Unterschied, rund 82 Prozent niedriger. Die tatsächlichen Gebühren hängen vom System, der Menge und der konkreten Verpackung ab.

Was geprüft wird, ist die fertige Verpackung

Lieferketten sind unübersichtlich: mehrere Zulieferer, vertrauliche Rezepturen, wechselnde Additive, lückenhafte Unterlagen. Deshalb wird nicht jede Vorstufe einzeln bewertet, sondern die fertige Verpackung eingereicht, geprüft, verifiziert und zertifiziert. Das Ergebnis stützt zugleich die technische Dokumentation nach PPWR.

Zehn Formate heißen nicht zehn Zertifizierungen

Bei gleichem Material und gleicher Lieferkette lassen sich verschiedene Größen und Grammaturen in einem Zertifizierungsumfang zusammenfassen. Sinnvoll ist deshalb, diesen Umfang zuerst festzulegen und dann repräsentativ zu prüfen.

Quelle: Malte Biss, Vortrag auf der AQUA FOCUS NORDICS 2026 am 17. August 2026. Quellen im Vortrag: FDA Targeted Seafood Survey 2022; EFSA CONTAM Panel (2020); Ly et al. (2026), npj Emerging Contaminants; Gomiero et al. zu norwegischem Zuchtlachs; Janzik et al. (2026), Journal of Environmental Psychology; EUMOFA, The EU Fish Market 2025.
Stand: August 2026

Fachlich verantwortlich: Malte Biss, Geschäftsführer der flustix GmbH

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