Stellungnahme von flustix zur UBA-Studie über Zertifizierungssysteme für Recycling-Kunststoffe

Das Umweltbundesamt hat im August 2026 die Studie „Analyse und Bewertung von Zertifizierungssystemen für Recycling-Kunststoffe“ (UBA-TEXTE 130/2026) veröffentlicht. Darin wird ein System unter der Bezeichnung „flustix RECYCLED DIN-geprüft“ bewertet und anschließend in über 50 Fällen verkürzt als „flustix RECYCLED“ bezeichnet.
Diese Bewertung betrifft jedoch nicht das aktuelle Zertifizierungsprogramm flustix RECYCLED.
UBA überprüft Studie
Nach Kontaktaufnahme hat das Umweltbundesamt flustix mitgeteilt, eine fachliche Überprüfung des Vorgangs eingeleitet zu haben. In diese Klärung werden auch die an der Studie beteiligten Institute einbezogen. Anschließend will das UBA entscheiden, ob und in welcher Form die Veröffentlichung angepasst oder ergänzend eingeordnet werden muss.
flustix begrüßt diesen Schritt und steht für die weitere sachliche Aufarbeitung zur Verfügung.
Was wurde tatsächlich im Rahmen der UBA-Studie untersucht?
Grundlage der Bewertung war laut Studie der Dokumentenstand Oktober 2024. Ausgewertet wurden insbesondere:
- das von DIN CERTCO herausgegebene Zertifizierungsprogramm „Produkte aus recyceltem Material – flustix V06/24“;
- die Prüfungs-, Registrierungs- und Zertifizierungsordnung der DIN CERTCO;
- die Bedingungen der DIN CERTCO für externe Expertinnen und Experten.
Dabei handelte es sich um die Grundlage der damaligen Kooperation und des früheren Kombinationszeichens „flustix RECYCLED DIN-geprüft“.
Das eigenständige, in einem Gremium aus Experten vollständig überarbeitete Zertifizierungsprogramm flustix RECYCLED wurde am 28. November 2025 veröffentlicht. Seitdem wird das frühere Kombinationszeichen mit DIN CERTCO nicht mehr vergeben.
Das heutige Zertifizierungsprogramm flustix RECYCLED war somit bereits vor Abschluss der Studie im Januar 2026 öffentlich verfügbar, wurde aber nicht in die Untersuchung einbezogen.
Zentrale Kritikpunkte der UBA-Studie betreffen einen überholten Programmstand
Mehrere wesentliche Kritikpunkte der UBA-Studie sind im seit Dezember 2025 in der Umsetzung befindlichen Zertifizierungsprogramm flustix RECYCLED bereits berücksichtigt. Hierzu gehören insbesondere:
- die ausdrückliche Anwendung der DIN EN ISO 22095 für Chain of Custody;
- konkretisierte Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit der Rezyklatherkunft;
- detaillierte Vorgaben zu Materialinput, Materialoutput, Stoffströmen und Prozessverlusten;
- Anforderungen an Lagerverwaltung, Chargenzuordnung und physische Bestandskontrollen;
- nachvollziehbare Massenbilanzierung und Plausibilitätsprüfungen;
- Berücksichtigung von Füllstoffen, Primärmaterialien und weiteren Produktbestandteilen;
- getrennte Erfassung und Ausweisung von Post-Consumer-Rezyklat (PCR) und Post-Industrial-Rezyklat (PIR);
- weiterentwickelte Anforderungen an Auditierung, Dokumentation und Konformitätsbewertung.
Das aktuelle flustix-RECYCLED-Zertifizierungsprogramm arbeitet zudem mit mehreren unabhängigen, für diesen Anwendungsbereich anerkannten internationalen Zertifizierungsstellen. Die in der Studie diskutierte organisatorische Struktur von DIN CERTCO lässt sich daher nicht annähernd auf das aktuelle flustix RECYCLED-System übertragen.
flustix wurde nicht an der Untersuchung beteiligt
flustix wurde weder über die Untersuchung informiert noch um ergänzende Unterlagen gebeten. Auch die vorläufigen Ergebnisse wurden flustix nicht zur Prüfung oder Stellungnahme übermittelt.
Nach den Angaben der Studie wurde ausschließlich DIN CERTCO kontaktiert. Dort sei eine vertiefte Zuarbeit wegen fehlender Kapazitäten nicht möglich gewesen. An anderen Stellen der Studie wird daraus jedoch eine angeblich „fehlende Kooperationsbereitschaft“ abgeleitet.
flustix war jederzeit bereit, an einer sachlichen Prüfung mitzuwirken. Eine entsprechende Anfrage hat flustix nicht erreicht.
Die Studie selbst weist auf die eingeschränkte Aussagekraft hin
Die Gutachter erklären ausdrücklich, dass die Bewertung wegen unzureichender Informationstiefe unter Vorbehalt erfolgt und Fehlinterpretationen nicht ausgeschlossen werden können.
Außerdem wurden keine öffentlich zugänglichen Hinweise auf praktische Unzulänglichkeiten, Fehlzertifizierungen oder Verstöße des untersuchten Systems festgestellt. Das schlechte Ranking beruht daher wesentlich auf der Bewertung der verfügbaren Dokumentation und auf nicht beantworteten Detailfragen, nicht auf festgestellten Mängeln in der praktischen Zertifizierung aus der Vergangenheit im Rahmen des Kombinationszeichens.
Unsere Bitte an das Umweltbundesamt
flustix hat das Umweltbundesamt um eine kurzfristige Klarstellung und Korrektur gebeten. Aus unserer Sicht muss eindeutig erkennbar werden, dass:
- das Kombinationszeichen „flustix RECYCLED DIN-geprüft“ seit Ende 2025 nicht mehr vergeben wird;
- das aktuelle Zertifizierungsprogramm flustix RECYCLED nicht Gegenstand der Studie ist;
- die Bewertung auf dem DIN-CERTCO-Programm V06/24 und dem Dokumentenstand Oktober 2024 beruht;
- flustix nicht kontaktiert und nicht am Review der Ergebnisse beteiligt wurde;
- die Ergebnisse nicht mit dem aktuellen Stand der flustix RECYCLED-Zertifizierung in Verbindung gebracht werden können;
- die Studie keine Aussage über den heutigen Stand der Zertifizierung flustix RECYCLED trifft.
flustix stand und steht dem Umweltbundesamt und den beteiligten Instituten für eine vollständige fachliche Aufarbeitung jederzeit zur Verfügung.
Kurzantworten zur Einordnung
Wurde im Rahmen der Studie das aktuelle Zertifizierungsprogramm flustix RECYCLED vom Umweltbundesamt bewertet?
Nein. Bewertet wurden das frühere DIN-CERTCO-Zertifizierungsprogramm V06/24 und weitere DIN-CERTCO-Unterlagen mit Dokumentenstand Oktober 2024.
Seit wann gilt das aktuelle Programm flustix RECYCLED?
Das eigenständige Zertifizierungsprogramm flustix RECYCLED wurde am 28. November 2025 veröffentlicht.
Berücksichtigt flustix RECYCLED heute die ISO 22095?
Ja. Das aktuelle Programm nimmt ausdrücklich auf DIN EN ISO 22095 und DIN EN 15343 Bezug und enthält entsprechende Anforderungen an Chain of Custody, Rückverfolgbarkeit und Materialbilanzierung.
Wurde flustix vor Veröffentlichung der UBA-Studie angehört?
Nein. flustix wurde weder kontaktiert noch wurden dem Unternehmen die Fragen oder vorläufigen Ergebnisse zur Stellungnahme vorgelegt.
Warum hat flustix sich nicht an der Studie beteiligt?
flustix wurde zu keinem Zeitpunkt im Rahmen der Studie kontaktiert. flustix hat durch Hinweise auf die Studie erst am Tag der Veröffentlichung von dieser erfahren und wurde kalt erwischt.
Hätte flustix eng mit den umsetzenden Instituten der Studie zusammengearbeitet?
Ja. flustix hat seit seiner Gründung im Jahre 2017 stets eng mit dem UBA zusammengearbeitet, auch keine anderweitige institutionelle Anfrage unbeantwortet gelassen und sich stets in Gremien und Konsortien mit seiner fachlichen Kompetenz vollkommen eingebracht. Daran hat und wird sich jetzt, auch nach der Nicht-Berücksichtigung durch das UBA, nichts ändern, denn der kritische Austausch mit NGO, Instituten und Ämtern ist maßgeblich für ein konstruktives Vorankommen wie auch der Weiterentwicklung von vertrauensbildenden und anerkannten Systemen.
Das aktuelle flustix RECYCLED Certification Programme als PDF