Frühlingszeit, Buddelzeit

Frühlingszeit, Buddelzeit 1920 768 flustix

So schützt du Garten und Balkon vor der Plastik-Invasion

Die Frühlingssonne weckt die Natur und in den Gärten wird wieder gemäht, gepflanzt und gesät. Gärtnern ist (nach Shoppen) das zweitliebste Hobby der Deutschen. Millionen Gartenbesitzer buddeln zur Entspannung, bauen Gemüse an oder arbeiten im grünen Büro von zu Hause aus. Aber was sich gesund und nachhaltig anfühlt, verursacht leider bergeweise Plastikmüll. Inzwischen fanden Biologen auch noch heraus, dass Karotten, Salat und Co. winzige Plastikteilchen quasi „trinken“ können.

Grund genug, den Garten oder Balkon im Frühling auf Plastik-Diät zu setzen! Sieben Ideen, die du umsetzen kannst, um den Kunststoffanteil zu verringern:

1. Blumentöpfe fasten

Vor allem im Frühjahr, wenn Hobbygärtner Setzlinge im Pflanzenmarkt kaufen, landen Millionen Plastiktöpfe im Müll – viele dieser Behälter können nämlich noch nicht mal recycelt werden.

So klappt der Blumentopf-Verzicht:

  • Pflanzen auf regionalen Märkten oder direkt in der Gärtnerei kaufen oder mit Nachbarn teilen – nur in Papier gewickelt oder verpackt in mitgebrachten Töpfen. Oft gibt’s auch Angebote von Hobbyzüchtern in Kleinanzeigenmärkten
  • auf kurzlebige Pflanzen und Wegwerfblumen in Plastiktöpfen ganz verzichten
  • vorhandene Plastiktöpfe mehrfach benutzen und Obst, Gemüse oder Kräuter aus Samen darin selbst züchten. Wenn man rechtzeitig plant und sät, hat man gleich individuelle Upcycling-Geschenke für verschiedene Anlässe
  • nachfragen, ob die Gärtnerei gebrauchte Töpfe zurücknimmt. Auch so können sie mehrfach benutzt werden

Innovation aus dem Handel: Der Baumarktkonzern toom stellt sein Sortiment gerade auf recycelbare Pflanztöpfe um, die zum Großteil auch noch aus Post-Consumer-Material, also bereits recyceltem Kunststoff, bestehen. Das lohnt sich richtig: Allein toom verkauft nach eigenen Angaben jährlich 60 Millionen Pflanztöpfe. Im vergangenen Jahr konnten durch die Umstellung schon 390 Tonnen Plastik in den Recycling-Kreislauf zurückgeführt werden. Ab April 2022 ersetzt toom außerdem seine Einwegpaletten für den Pflanzentransport durch 60.000 Mehrwegpaletten in 230 Märkten.
Tipp: Recycling-Kulturtöpfe sehen grau oder bunt aus. Töpfe der Marke „Pöppelmann blue“ sind blau. Die herkömmlichen schwarzen Pflanzbehälter werden mit Ruß eingefärbt und können in den Recyclinganlagen nicht als Kunststoff erkannt werden.

2. Kunststoff streicheln

Diese „Diät-Strategie“ klingt erstmal paradox, verhindert aber ebenfalls jede Menge Müll. Plastikgegenstände, die schon hergestellt wurden und im Garten „wohnen“, sollten gut gepflegt werden, damit sie möglichst lange halten. Warte aber bitte trotzdem nicht, bis der Gartenstuhl zerbröselt oder der Blumenkübel von allein auseinanderfällt.

Achtung: Bevor Plastik brüchig wird und sich im Garten verteilt, muss es unbedingt fachgerecht entsorgt werden.
UV-Strahlung und Frost sind die größten Feinde von PVC und Co. Insbesondere Bewässerungstechnik, Schläuche oder Abdeckfolien sind nach einem Winter im Freien meist reif für die Tonne. Im nächsten Herbst solltest du gut erhaltene Plastiksachen lieber rechtzeitig wegräumen.

3. Alternativen entdecken

Für fast alle Plastik-Anwendungen im Garten gibt es tolle Alternativen. Oft sind es die ursprünglichen Technologien oder Utensilien, die schon unsere Großeltern benutzt haben, bevor die Plastik-Invasion kam.
Checkliste für den Plastik-Ersatz:

  • echte Wiese statt Kunstrasen
  • Brennnesseljauche statt Dünger aus der Plastikflasche
  • Tontöpfe, Eierkartons oder Anzuchttöpfchen statt Plastiktöpfen
  • Holzmöbel statt Plastiksitzgruppe
  • Metallgießkanne statt Plastikmodell
  • Körbe aus Naturmaterial und Obstkisten anstelle von Plastikkörben
  • Jute- oder Hanfschnüre statt Plastikklammern und kunststoffummanteltem Blumendraht
  • Holzschildchen (oder Bambusspieße aus dem Haushaltswarenbedarf) anstelle von Plastikschildern zur Beet-Kennzeichnung
  • Jutesäcke, Vliese aus Hanf oder Jute, Rasenschnitt oder Häckselmaterial statt Mulchvlies aus Kunststoff
  • Baumwollgaze statt Kunststoff als Kälteschutz und Insektenstopp
  • Werkzeuge aus Holz und Metall statt aus Plastik
  • Naturkautschuk-Schlauch statt PVC-Schlauch – verhindert auch Kunststoffteilchen im Gießwasser

Tipp: Bei diversem Hobbygärtner-Equipment empfiehlt sich sogar eine Null-Diät – ohne Alternativen. Viele Dinge brauchst du schlicht gar nicht für den gärtnerischen Erfolg, auch wenn die bunten Prospekte und Auslagen das Gegenteil suggerieren.

4. Edel-Plastik shoppen

Wenn es keine sinnvolle Alternative zu Kunststoff gibt, solltest du bei einer Neuanschaffung hochwertige Artikel kaufen, in Ruhe Tests und Garantiebedingungen recherchieren. Ein solides Gewächshaus, Balkonkästen oder Vliese in Gärtner-Qualität kosten zwar in der Anschaffung zum Teil deutlich mehr als Discountware, halten aber auch länger.

Streitfall WPC-Dielen: Viele Hobbygärtner überlegen, ob sie sich eine Terrasse aus Holz, Kunststoff oder dem Werkstoff-Mix WPC (Wood-Polymer-Composites) bauen lassen. WPC-Dielen enthalten natürlich Plastik, sind aber trotzdem besser als welche aus Tropenhölzern oder reinem Kunststoff und ökologisch sogar gleichwertig mit Dielen aus einheimischem Nadelholz, wenn sie länger halten. So bewerteten das Fraunhofer Institut für Holzforschung und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) die verschiedenen Materialien. Hobbygärtner sollten verschiedene Werkstoffe vergleichen und dann entscheiden.

5. Verpackungen sparen

Nicht nur Blumentöpfe sind ein Müllproblem für Hobbygärtner. Auch Rindenmulch, Rasensamen und Bio-Dünger – fast alles wird in Flaschen oder Tüten aus Kunststoff angeboten.

Einige Einspar-Ideen:

  • wenn möglich, Garten-Artikel in Papiertüten kaufen
  • lieber eine große statt mehrere kleine Verpackungen kaufen, zum Beispiel bei Erde. Eventuell mit Nachbarn teilen
  • Dünger nicht als Fertigmischung, sondern als Konzentrat kaufen – so reicht eine Ladung besonders lange
  • größere Mengen Erde, Sand oder Rindenmulch verpackungsfrei vom Fachmarkt liefern lassen.

6. Erde selber machen

Wusstest du, dass normale Pflanzenerde aus dem Baumarkt Plastikmüll enthält? Der Grund: Die Erde wird aus dem Grünschnitt von Parks, Gärten und Friedhöfen sowie aus Biomüll privater Haushalte hergestellt. Enthaltener Müll lässt sich in den Kompostierungsanlagen nicht vollständig aussortieren. Das NDR-Verbrauchermagazin „markt“ ließ acht Sorten Komposterde – auch Bio-Artikel – im Labor untersuchen. Ergebnis: In allen Proben befanden sich winzige Plastikteile, die meisten in der Erde aus dem Hagebaumarkt (2,74 Gramm auf 40 Liter) und in der von Dehner (2,11 Gramm), die wenigsten im Bio-Kompost von toom (0,63 Gramm) und in einer Hochbeet-Erde von Bauhaus (0,60 Gramm).

Einzige Alternative: Kompost selber machen, am besten natürlich in einem Holz- oder Metallbehälter. Wer genug Platz hat, sollte unbedingt über dieses hauseigene Recyclingsystem nachdenken. Pflanzenreste verrotten und werden später als Dünger wieder in den Kreislauf eingebracht. Die Komposterde lockt Würmer und Insekten an, verbessert die Bodenstruktur und speichert Wasser. Das spart nicht nur Düngemittel, sondern auch Transporte und Biomüll-Recycling – perfekt.
Tipp: Wer weniger Zeit und Arbeit investieren möchte, kann es erstmal mit „Kompost light“ versuchen und gehäckselte Pflanzenreste einfach als Mulch auf die Beete oder unter Bäume und Sträucher legen. Das bringt auch Nährstoffe und Bodenschutz.

7. Plastik jagen

Hobbygärtner sollten dafür sorgen, dass absolut keine Plastikteile in die Umwelt gelangen. Denn jedes Teil, das in der Erde oder im Wasser landet, kann dort nicht wieder „rausgeholt“ werden – und landet im schlimmsten Fall sogar in unserer Nahrung. Plastikmüll wird durch Umwelteinflüsse zwar immer kleiner, verschwindet aber nicht.
Deshalb haben wir inzwischen ein riesiges, aber unsichtbares Problem. Wissenschaftler fanden heraus, dass in Deutschland nur rund ein Viertel des Kunststoffs, der in der Natur landet, Makroplastik ist. 74 des Plastikmülls sind demnach Mikroplastikteilchen mit weniger als 5 Millimetern Größe oder noch winzigere Nanoplastikteilchen.
Tipp: Regelmäßig im Garten alte Tüten, Pflanzschilder oder Blumentöpfe einsammeln und in den Müll oder in die gelbe Tonne werfen.