Großbritannien verschärft die Nachweise für Recycled Content und PFAS

Für Unternehmen, die Kunststoffverpackungen, Textilien, Lebensmittelverpackungen, Kosmetika oder Reinigungsprodukte im Vereinigten Königreich vertreiben, wird der Nachweis wichtiger. Bei Recycled Content hängt daran unmittelbar die Plastic Packaging Tax. Bei PFAS entstehen neue Anforderungen an Monitoring, Beschaffung und Produktprüfung.
Beide Entwicklungen haben unterschiedliche Rechtsgrundlagen, führen aber zur gleichen praktischen Frage: Kann ein Unternehmen seine Aussage über das tatsächliche Produkt und die Lieferkette belastbar belegen?
Recycled Content wird zum Steuerschlüssel
Die britische Plastic Packaging Tax gilt für relevante Kunststoffverpackungen mit weniger als 30 Prozent Recyclingkunststoff. Seit dem 1. April 2026 beträgt sie 228,82 Pfund pro Tonne. Der Schwellenwert bleibt bestehen. Weiterentwickelt wird jedoch, wie Unternehmen den Rezyklatanteil nachweisen müssen.
Chemical Recycling mit Zertifizierung ab April 2027
Ab dem 1. April 2027 kann chemisch recycelter Kunststoff über einen Mass-Balance-Ansatz für die Plastic Packaging Tax angerechnet werden. Dafür muss die Lieferkette von einem geeigneten Zertifizierungssystem erfasst sein, das die britischen Mindestanforderungen erfüllt.
Vorgesehen sind unter anderem Anforderungen an Materialzuordnung und Mengenbilanz, unabhängige Zertifizierung, akkreditierte Zertifizierungsstellen, Audits und Aufbewahrung der Nachweise. Ohne den geforderten Nachweis kann der über Mass Balance zugeordnete Anteil nicht als Recycled Content für die Steuerentlastung berücksichtigt werden.
Mechanical Recycling ist der nächste Schritt
Auch für mechanisch recycelte Kunststoffe prüft HM Revenue and Customs eine verpflichtende Zertifizierung. Die 2026 abgeschlossene Konsultation behandelt ausdrücklich neue Nachweisanforderungen, Betrugsrisiken, internationale Lieferketten und mögliche Zeitpunkte der Einführung.
Ein verbindliches Startdatum ist für mechanisches Recycling noch nicht veröffentlicht. Die Richtung ist dennoch erkennbar: Aus unterschiedlichen Dokumenten und Selbstauskünften soll ein standardisierter, unabhängig überprüfbarer Nachweis werden. Unternehmen, die den 30-Prozent-Schwellenwert nutzen, sollten ihre Chain of Custody und Mengenbilanz deshalb schon jetzt auf Belastbarkeit prüfen.
PFAS rückt in den Fokus von Produkt-Prüfung und -Beschaffung
Parallel baut die britische Regierung mit ihrem PFAS-Plan einen ressortübergreifenden Rahmen auf. Er verbindet Monitoring, UK REACH, öffentliche Beschaffung und analytische Prüfung. Ein pauschales Verbot sämtlicher PFAS in allen Verbraucherprodukten ist damit nicht beschlossen. Mehrere Produktgruppen stehen aber ausdrücklich im Fokus.
Textilien
Der Plan nennt wasser-, öl- und schmutzabweisende Textilien einschließlich Kleidung, Schuhe und Teppiche. Zudem prüft die Regierung PFAS-Anforderungen für Government Buying Standards, Empfehlungen zu PFAS-freien Schuluniformen und Informationsanforderungen bei Beschaffungen des Verteidigungsministeriums. Unabhängige PFAS-Nachweise wie flustix PFAS-FREE werden damit zunehmend auch für Ausschreibungen wichtig.
Lebensmittelverpackungen
Für Food Contact Materials soll die analytische Prüffähigkeit ausgebaut werden. Priorisiert werden Materialien, bei denen PFAS wegen fett-, öl- oder feuchtigkeitsabweisender Eigenschaften wahrscheinlich sind. Monitoring-Daten sollen zugleich eine Grundlage für mögliche spätere Regulierungsmaßnahmen schaffen.
Kosmetika und Reinigungsprodukte
Auch Kosmetika und Personal-Care-Produkte werden genannt. Reinigungsprodukte stehen im Plan in derselben Gruppe weiterer Verbraucherprodukte, für die zusätzliche Maßnahmen geprüft werden. Unternehmen sollten diese Kategorien daher nicht isoliert betrachten.
Ein Markt, zwei Gründe für unabhängige Nachweise
Bei Recycled Content entscheidet ein belastbarer Nachweis zunehmend darüber, ob Recyclingkunststoff steuerlich anerkannt wird. Bei PFAS unterstützt er Compliance, Beschaffung und eine belastbare Produktkommunikation.
flustix RECYCLED kann mechanisch und (in Kürze) chemisch recycelte Kunststoffe sowie geeignete Chain-of-Custody- und Mass-Balance-Strukturen unabhängig verifizieren. flustix PFAS-FREE verbindet die analytische Prüfung von Endprodukten mit einer unabhängigen Zertifizierung, unter anderem für Textilien, Verpackungen, Kosmetika und weitere Verbraucherprodukte.
Die britische Entwicklung zeigt damit in beiden Bereichen dieselbe Richtung: Eigenerklärungen verlieren an Gewicht. Entscheidend wird, ob der Nachweis zum Produkt, zur Lieferkette und zum verwendeten Claim passt.