Ocean Clean Up(date): Müllabfuhr der Meere gescheitert?

Ocean Clean Up(date): Müllabfuhr der Meere gescheitert? 1000 565 Stefanie Barz

Allerwelts Begeisterung für den ersten großen Plastikfänger im Meer scheint vorerst getrübt. Im September letzten Jahres ging die neueste Testversion des von Boyan Slat großangelegten Projekts zur Befreiung der Ozeane von Plastikmüll im Great Pacific Garbage Patch an den Start – und fiel damit wortwörtlich ins Wasser. Die schwimmende Röhre mit Fangarmen aus wasserdurchlässigem Stoffvorhang erhielt einen Riss, woraufhin sich ein Teil der Konstruktion abtrennte. Grund dafür sei eine langfristige ‚Materialermüdung‘.

Point of Fracture via www.theoceancleanup.com

Kein Plastikmüll in der Falle

Nach 117 Tagen auf dem Wasser musste der Betrieb eingestellt werden. Auch weil das ‚System 001‘ doch zu sehr von langsameren Strömungen in der Tiefe abgebremst wurde und eingefangene Plastikteile zum großen Teil wieder aus der U-förmigen Barriere hinaustrieben. Bis dato sammelte es insgesamt nur 2.000 Kilogramm Plastikmüll statt der erträumten 1.000 Kilogramm pro Woche. (Quelle)

Zielstrebigkeit beim Kampf gegen Plastik

Doch Slat bleibt optimistisch: „Wir erwarten, dass wir mit einigen Anpassungen in wenigen Monaten wieder die Arbeit aufnehmen können. Ich glaube nicht, dass die Probleme sehr schwerwiegend sind. Sie sind Teil des Entwicklungsprozesses und wir lernen viel daraus.“¹

Für ihn und sein Team ist Aufgeben jedenfalls keine Option und kann keine Rede vom Scheitern sein.

Forscher unterstützen Müllsammeln mit Infrarot-Technologie

Wissenschaftler der Universität Oldenburg hatten die Aufräumaktion bereits mit einer neuen Methode zur Ortung von Müllteilen voran getrieben. Ausgestattet mit einem Forschungsflugzeug, einer optischen Kamera und einem Infrarotspektrometer kann man laut Dr. Shungudzemwoyo Garaba vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) noch gezielter vorgehen: So ließen sich bestimmte Mengen an Kunststoff lokalisieren und sogar verschiedene Sorten voneinander unterscheiden. Dies sei übertragbar auf einen mit entsprechender Technik ausgestatteten Satelliten und Software, die dem ‚Müllstaubsauger‘ als Dirigenten dienen würden.²

Traum vom plastikfreien Ozean noch nicht zerplatzt

Es besteht die Hoffnung also weiter, dass alle Makel beseitigt und die weiteren geplanten 60 Systeme irgendwann zum Einsatz gebracht werden. Mit ihnen könnten dann ganze 60 Tonnen Müll pro Woche entfernt werden. Erfreulich ist schon jetzt, dass Biologen vor Ort bestätigen, der Einfluss der Fangkonstruktion auf die Tierwelt sei nur minimal.

Wir sind und bleiben gespannt wie es nach der Zwischenlandung in Hawaii weitergeht!

 

Quellen / weiterführende Literatur:

¹https://www.zdf.de/nachrichten/heute/ocean-cleanup-aufgeben-ist-keine-option-100.html

²Shungudzemwoyo Garaba, Jen Aitken, Boyan Slat, Heidi M. Dierssen, Laurent Lebreton, Oliver Zielinski und Julia Reisser: „Sensing Ocean Plastics with an Airborne Hyperspectral Shortwave Infrared Imager“, Environ. Sci. Technol., 2018, 52 (20), pp 11699–11707, DOI: 10.1021/acs.est.8b02855

Stefanie Barz

Stefanie Barz

"Es ist höchste Zeit, dass wir uns, unserer Umwelt und den Objekten, die wir gestalten, mehr Nachhaltigkeit zugestehen." - Meine freie Mitarbeit bei FLUSTIX ist eng mit meiner Tätigkeit als Produktdesignerin verwoben.

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