PPWR: EU-Verpackungsverordnung

Was ist der Unterschied zwischen PCR und PIR, und was zählt auf die PPWR-Quote?

PCR steht für Post-Consumer-Rezyklat, also Material aus Abfällen, die bereits beim Endverbraucher waren. PIR steht für Post-Industrial-Rezyklat, also Material aus Produktionsabfällen, das den Verbraucher nie erreicht hat. Auf die Mindestrezyklatquoten der PPWR nach Artikel 7 zählt ausschließlich PCR.

Warum die Unterscheidung so teuer werden kann

Viele Lieferanten weisen beides gemeinsam als „Rezyklatanteil“ aus. Eine Verpackung mit 30 % PIR und 10 % PCR erfüllt eine 30-Prozent-Quote nicht, sondern liegt bei 10 %. Ein Nachweis, der PCR und PIR nicht unterscheidet, ist für Artikel 7 nicht verwendbar, und zwar unabhängig davon, wie hoch die Gesamtzahl ist.

Das gilt in beide Richtungen: Wer PIR mitrechnet, überschätzt seine Quote. Wer aus Vorsicht nur einen Teil des tatsächlichen PCR ausweist, verschenkt Material, das er bereits bezahlt hat.

Warum PIR trotzdem seinen Platz hat

PIR ist kein minderwertiges Material, im Gegenteil: Es ist meist sortenrein und gut dokumentiert. Für die Quote nach Artikel 7 zählt es nicht, für eine Werbeaussage über Rezyklatanteil dagegen sehr wohl, sofern sie den Typ benennt. Der Fehler liegt nicht darin, PIR einzusetzen, sondern darin, es nicht getrennt auszuweisen.

Was ein brauchbarer Nachweis leisten muss

Er muss PCR und PIR getrennt ausweisen, die Herkunft rückverfolgbar machen und die Mengenströme nachvollziehbar bilanzieren. Die Normen dafür sind DIN EN 15343 für die Rückverfolgbarkeit und DIN EN ISO 22095 für die Chain of Custody. Das Siegel flustix RECYCLED weist den Rezyklattyp deshalb ausdrücklich mit aus; das zugehörige Zertifizierungsprogramm nimmt auf beide Normen Bezug.

Eine praktische Frage an den Lieferanten trennt brauchbare von unbrauchbaren Angaben: Wie hoch ist der Anteil, und welcher Teil davon ist Post-Consumer? Wer darauf keine belegte Antwort hat, hat eine Zahl, aber keinen Nachweis.

Grundlagen: Verordnung (EU) 2025/40 (PPWR) · DIN EN 15343 (Rückverfolgbarkeit von Rezyklaten) · DIN EN ISO 22095 (Chain of Custody)

Fachlich verantwortlich: Malte Biss, CEO & Founder of flustix